Für eine bestimmte Zeit "Lehrling" sein!

Als Schüler und Konfirmand haben mich meine Lehrer und Pfarrer zu Exkursionen mitgenommen. Ich besichtigte kirchliche, soziale oder diakonische Einrichtungen. Meist lief der Besuch dort nach einem ähnlichen Schema ab: Ich bekam eine Führung. Ich ging durch Werkstätten, sah Unterkünfte, Gebäude und sah wie Menschen in den Einrichtungen arbeiteten. Manchmal gab es nach der Rundführung noch Zeit mit einem Vertreter der Einrichtung zu sprechen.

Ich habe durch Besuche in sozialen Einrichtungen gute Einblicke bekommen. Aber gelernt, wie man z.b. mit Behinderten oder Obdachlosen arbeitet, habe ich nicht. Das folgte, als ich als "Gehilfe" mit meiner Mutter bei Weihnachtsspeisungen und -feiern für Obdachlose mitgewirkt habe. Hier konnte ich selbst etwas tun, erlebte was Obdachlose wirklich brauchen und woran ich bei mir selbst arbeiten muss ...

Heute wissen wir, dass diakonisches, soziales und religiöses Lernen nicht ohne eigene Tätigkeit in realen Kontexten einhergehen kann. So sollte dann aus einer "Besuchszeit" möglichst auch irgendwie eine "Lehrzeit" werden. Und zum Unterricht in der Schule oder Gemeinde tritt dann tätige Lernen in bestimmten Gemeinschaften und an bestimmten Orten.

Damit eine solche kurze oder länger "Lehrzeit" gelingt, braucht es bestimmte [Voraussetzungen]. Diese sollten vorher abgeklärt werden, bevor mit einem Besuch / Praktikum / Projekt etc. begonnen wird.  

Der Atlas ist selbst ein Lernort (im Internet)!

Das Problem des Lernens außerhalb von Schule und Gemeinde ist der räumliche und zeitliche Abstand zum Lernort. Um diesen Abstand zwischen Klassenzimmer, Gemeinderäumen und der Gemeinschaft am Lernort zu überbrücken, kann das Internet ein Brücke bauen So ist es sinnvoll, eine Lehrzeit vor- oder nachzubereiten und hierüber mit den Einrichtungen zu kommunizieren. Das kann natürlich auch per E-Mail und Telefon geschehen, aber Fragen können hervorragend von allen (!) auch in einem [Forum] debattiert werden. Gruppenleiter und Einrichtungen können auch einen [Projektraum] einrichten, in dem Bilder, Texte, Ausstellungen, Fließtexte etc. von Jugendlichen zum jeweiligen Lernort eingestellt werden können. Das [RPI-virtuell] stellt uns diese Möglichkeit zur Verfügung. Einen Zugang zum Konzept des Lernens mit RPI-virtuell finden sie [hier]. Erste Praxiserfahrungen mit Unterricht mit den "Räumen" [hier].

Hinweise für Gruppenleiter:

Wir vertreten ein Lernen durch Teilhabe (Partizipation) an religiösen, diakonischen und sozialen Tätigkeiten. Das Wissen hierzu "wohnt" gleichsem, in den am Lernort tätigen Gemeinschaften. Ihr Wissen kann nicht einfach in andere Medien (Bücher, Video's, etc.) übertragen werden.

Wenn Jugendliche in einer gelungenen "Lehrzeit" (Praktika, Kurzbesuch, etc.) erleben, bauen Sie hierdurch brauchbares Wissen auf. Schüler spüren dies und bringen dies auch zum Ausdruck. So ist zu bemerken, dass sie oft auch ohne extrinsische Motivation (Noten, etc.) sozial tätig sind. Die Belohnung ist das Tun selber, sobald Schüler merken, dass Sie sinnvolle und Leid mindernde Tätigkeiten ausführen.

Eine wichtige Vorraussetzungen für eine gelungene Praktika ist, dass die Jugendlichen einen offenen Zugang zu allen wichtigen Tätigkeiten haben. D.h. nicht nur sog. "niedrige Tätigkeiten" ausführen. Zunächst sind sie dabei oft in der Rolle des  Beobachters. Hier finden die ersten Aneignungsprozesse statt (Modell-lernen an Vorbildern)! Parallel hierzu beginnt die aktive Teilnahme an den Tätigkeiten. Die Kommunikation der Jugendlichen mit den dort Tätigen ist ein weiteres zentrales Element! Hier lernen Sie die Bedeutung, die geistigen, religiösen Hintergründe der Tätigkeiten vor Ort zu verstehen.

Mit Hilfe der eigene Praktikaerfahrung können Schüler zum weiteren Nachdenken in Schule und Gemeinde angeleitet werden. Neben der Vorbereitung von Praktika leistet dies die Nachbereitung: Die Darstellung, Visualisierung, Verschriftlichung der Praktikumserfahrungen sind hier wichtig.

Konzeptionelle Vertiefung: Wenn Sie einen vertieften Einblick in das diakonische Lernen wünschen, können Sie hier zwei Artikel von Dr. Martin Sander-Gaiser als PDF-Dokument lesen: I.) [Diakonie lernen, aber wie?] wurde auszugsweise in Forum-Religion 1/2005 abgedruckt.II.) [Diakonisches Lernen als Tätigkeit und Partizipation] Dieser Artikel wurde in: "Unterwegs zu einer Kultur des Helfens. Handbuch des diakonisch-sozialen Lernens". Adam, G., Schmidt, H., Hanisch, H., Zitt, R. (Hg.), Calwer Verlag, Stuttgart publiziert.

Viel Freude mit dem Relialtas wünscht Ihnen,

Ihr Martin Sander-Gaiser