Ein Orientierungsrahmen für eine gelungene
"Lehrzeit"
Gruppenleiter / Lehrende sollten bei der Organisation von Praktikumsstellen helfen. (Im Compassion-Projekt wird dies auf das Deputat angerechnet). Leitend bei der Auswahl kann dabei die Frage sein: „Welche Gemeinschaften halte ich für so exzellent, dass ich mir wünsche, dass meine Schüler dort partizipieren?“
Lernen in Beziehungen:
- Motivation zwischen Projektpartnern und Schülern abklären
Die Gemeinschaft sollte ein vitales Interesse an "Lehrlingen/Praktikanten" haben. Von Seiten der Praktikanten gehört Motivation dazu, sich auf die neue Tätigkeit im Kontext der Gemeinschaft einzulassen. Es kann deshalb sinnvoll sein, zwischen Einrichtung und Praktikanten eine Übereinkunft/Kontrakt zu schließen.
- Beziehungen zwischen Schülern und Mitgliedern der diakonischen Gemeinschaft aufbauen
- Kommunikation pflegen
Reden, Zuhören, Handlungen beschreiben und Erfahrungen austauschen sind der Motor des Wissensaufbaus! Durch Kommunikation in Beziehungen von Neulingen mit den Mitgliedern der Gemeinschaft wird implizites Wissen explizit.
Die Strukturen der Gemeinschaft erkennen:
- "Helden" und "Hüter der Tradition" wahrnehmen
Bestimmte Personen haben oftmals Meilensteine in der Entwicklung einer diakonischen Gemeinschaft gesetzt. Sich mit ihnen zu beschäftigen, heißt das Selbstverständnis der Gemeinschaft erkennen.
- Autoritätsfiguren der diakonischen Gemeinschaf erkennen
- "Verwandtschaften" zwischen einzelnen Mitgliedern der Gemeinschaft erkennen
Manche Mitglieder unterhalten enge Beziehungen zu einander und prägen damit das Gesicht der Tätigkeit einer Gemeinschaft. Neulinge können von Mitgliedern "adoptiert" werden.
- Erkennen des Zusammenhanges von Erneuerung und Statuswechsel
Neulinge können alte Mitglieder in den Hintergrund einer Gemeinschaft drängen.
- "Wissen heißt Einfluss" erkennen
Je kompetenter ein Mitglied der Gemeinschaft Tätigkeiten ausführt und Wissen darstellen kann, umso höher ist für gewöhnlich sein Ansehen.
- Bewertung der Praktikanten durch Statuswechsel
Neulinge werden im Allgemeinen mit höherer Toleranz behandelt. Wichtig ist es, dass die Gemeinschaft erfolgreichen Praktikanten ihren eigenen Statuswechsel signalisiert („jetzt auch dazu gehören …“ etc.). Die Folge ist ein Motivationsschub und die Steigerung des Selbstwertgefühls.
- Transparenz
Die Strukturen der Gemeinschaft und ihrer Tätigkeit sollten für Praktikanten transparent sein.
Den Weg zu Partizipation und Selbsttätigkeit ebnen:
- Einfache Zugänge zu vielen Tätigkeitsbereichen ermöglichen
Die Lehrzeit sollte Neulingen den Weg zur Teilnahme an den Kerntätigkeiten einer Gemeinschaft ebnen. Hierzu sollten möglichst viele Tätigkeitsbereiche für Praktikanten offen stehen.
- Zentrifugale und zentripetale Kräfte in der Lehrzeit beachten
Eine Lehrzeit kann zum Kern oder an den Rand einer diakonischen Gemeinschaft führen. Zentripetale Kräfte lassen Praktikanten eine Gemeinschaft als wertvoll und eine Mitwirkung als wünschenswert erscheinen. Zentrifugale Kräfte führen dazu, dass Praktikanten zum Rand einer Gemeinschaft geführt werden. Lehrer sollten aus diesem Grund Kontakt mit Schülern und Praktikumsbegleitern halten.
- Religiöse Überlieferung, Geschichten und Mythologien kennen lernen.
Die Identität einer tätigen Gemeinschaft wird durch Erzählungen, Rituale „transportiert“. Die Geschichten kennen zu lernen und an (religiösen) Handlungen und Feierlichkeiten teilzunehmen, ist wichtig.
Verzahnung der Praktika mit dem Schulunterricht:
Während eines längeren Schulpraktikums sollten Unterrichtende Kontakt mit den Prakikumsbetreuern und Schülern halten.
Nach dem Praktikum können z.B. mit Hilfe einer Plakatwand Erfahrungen, Schwierigkeiten visualisiert und bearbeitet werden. Sinnvoll ist es auch, eine Praktikumsmappe anzulegen, in der die Schüler ein Resümee und weiterführende Fragen für den Unterricht formulieren sollen. Pratikumsmappen können auch im Internet angelegt werden. Einrichtungen können dann über die Praktikumszeit hinaus mit ihren Praktikanten kommunizieren und damit zur Verzahnung von „Diakonie-theoretisch“ und „Diakonie-praktisch“ beitragen.
Eine klassische Möglichkeit der Nachbereitung ist das Anfertigen eines Praktikumsberichtes. Dieser kann z.B. im Deutschunterricht erstellt werden und auch ggf. auch veröffentlicht werden.
Brücken zur weiteren Reflektion diakonischer Praxis im Unterricht können „Fallstudien“ oder auch nachgespielte, problembehaftete Szenen sein.
Viel Erfolg, ihr M. Sander-Gaiser